Das perfekte Fotostudio

Ein Studio oder kein Studio? Für viele Fotografen ist die Frage schwierig. Ein eigenes Studio bringt viele Vorteile doch birgt auch Verantwortung, die Miete dafür irgendwie einzuspielen. Es hängt auch vom Typen ab, der eine reist gern und hat die Straße zum Spielplatz gemacht, der andere produziert seine Bilder gern in Sets, mit abgestimmten Lichtquellen und Hintergründen.

„Miete deinen Spielplatz!“ – Das war das Motto, als sich 2009 auf einmal die Gelegenheit bot, ein Fotostudio in Berlin zu eröffnen. Die Fläche war viel zu groß, etwas herunter gekommen, jedoch auf eine angenehme, ideen-einladende Weise. Mit dem Tageslicht durch die alten Fenster in Südlage schien die Lage eindeutig vorteilhaft für Fotografen. Der Lastenaufzug hatte auch seinen nützlichen Charme und nur wenig Allüren. Die Ideen begannen zu sprudeln, was wäre wenn…?

Fotostudio Berlin

Die einzige Möglichkeit das Studio nachhaltig zu finanzieren, so schien es, war durch die Vermietung an andere Fotografen, natürlich neben den eigenen Fotoprojekten, die jedoch vor zehn Jahren noch recht unregelmässig liefen. Denn es war nicht das typische Ladengeschäft, wo man sich als Fotograf reinsetzt und tagein, tagaus auf Kunden wartet. Das wäre auch nicht meine favorisierte Lösung gewesen. Denn ein Ladengeschäft schien auch kein besonders nachhaltiger Plan, den man zehn Jahre lang durchzieht und dann noch glücklich beim Fotografieren sein kann. Ein bisschen Freiraum muss sein, Abwechslung auch. Schon allein, um seine Kreativität nicht komplett zum Reproduzieren von biometrischen Passbildvorlagen zu missbrauchen.

Wie beginnt man ein neues Fotostudio?

Gute Flächen findet man in alten Industriebauten, weil hier die Deckenhöhe mehr Spiel erlaubt und auch die weiten Fenster mit viel Tageslicht ein wunderschönes „Basislicht“ zaubern, dass man mit ein bisschen Blitz sehr schön erweitern kann. Gerade Gewerbeflächen, die ein wenig Liebe brauchen, sind schnell und gut zu finden.

Wer ein neues Fotostudio beginnt, braucht gute Handwerker. Am besten im Familien- oder Freundeskreis, dann macht es einfach mehr Spaß zusammen Wände herauszureißen, neu zu verputzen, zu streichen, Fussboden zu verlegen und die Elektrik so zu planen, dass man in jeder Ecke auch Steckdosen für den Fall der Fälle hat. Die Fenster sollten auch verdunkelbar sein, denn das Tageslicht ist nicht immer ein Segen und manchmal ist es einfacher, das Licht zu 100% selbst setzen zu können.

Der nächste Schritt ist die Vermarktung. Für das Studio ist eine eigene Webseite mit allen notwendigen Informationen Pflicht und ein wichtiges Werkzeug bei der Kundengewinnung. Viele Produktionen wollen genau wissen, wie das Studio geschnitten ist, welche Sichtachsen sich potenziell ermöglichen, wie schnell das Internet ist, ob es eine teil- oder vollausgestattete Küche gibt, ein Bad mit Dusche, einen Aufzug, Musik, Kaffee, etc.

ultimatives Upgrade: Die große Chance kommt gerade mit dem wachsenden Interesse an Studios für Live-Formate mit gleichzeitiger Aufnahme und Übertragung von Veranstaltungen.

Auch die Möglichkeiten und Möbel im Studio sind Teil deines Erfolges, denn oft werden diese als Accessoires fest von den Produktionen mit eingeplant. Das gilt auch für originelle Hintergründe und mögliche technische Hilfsmittel, wie z.B. einem Lichtsystem, Stativen oder Reflektoren, die Du zusätzlich zur Studiomiete anbieten kannst. Jedoch ist beim Vermieten von Technik auch immer eine Endkontrolle nötig, ob alles auch unbeschädigt übergeben wurde. Schon deshalb sollte man bei den üblichen Technikverleihern wie DRS, RentOne oder Calumet schauen, wo das eigene Equipment im Wert steht und wenn möglich auch eine Technikversicherung dazu abschliessen.

Tipp: Ein wichtiges Accessoire sind die 2m hohen Styroporwände, die als Reflektor genutzt werden.

Wenn Du Dir ein neues Studio einrichtest, kannst Du natürlich auch mit gebrauchter Technik starten. Ich habe damals mein erstes Lichtsystem direkt vom Hersteller nach einer Messe bekommen und einen guten Rabatt bekommen. Die guten C-Stands und Rollenstative habe ich mir auch erst mit der Zeit angeschafft.

Vor- und Nachteile der Vermietung

Die großen Vorteile der Vermietung deines Fotostudios liegen darin, dass Du zuerst einmal zusätzliche Einnahmen generierst und verschiedene Arten von Produktionen kennenlernst, bei denen Du andere Fotografen, Models, Make-Up Artists triffst und so gute Kontakte knüpfen und dein Netzwerk erweitern kannst. Du siehst auch andere Techniken und Künstler bei der Umsetzung oder Vorbereitung ihrer Sets und Lichtaufbauten, die Dich auch wieder inspirieren. Und Du erlebst sicher auch die ein oder andere lustige Geschichte hinter den Kulissen vielleicht mit Diamanten, TV-Shows oder Modedesignern.

Der Nachteil ist, es macht neben der Freude kreativen Projekten die Basis zu bieten auch viel Arbeit, das Studio ständig zu vermieten und man stößt manchmal im Eifer der „Gefechte“ an seine Grenzen der Belastbarkeit. So ein Ort braucht auch Aufmerksamkeit und alles was man besitzt, besitzt dich auch. Denn es kostet ja jeden Tag sein Geld und Stillstand bedeutet dann eben leider auch Verlust.
Bei der Vermietung wollen die Produktionen im Vorfeld betreut, das Studio vorbereitet und die Technik zur Übergabe organisiert werden, dazu kommen die administrativen Aufgaben von der Akquise über Buchhaltung bis zum zum Zahlungsverzug, die im Auge behalten werden sollten.

Produktionen beginnen meistens früh und laufen dann bis in den frühen, manchmal auch späten Abend hinein. Deswegen steht man schnell an dem Punkt, wo man sich fragt, ab wann würde sich ein „Assistant Manager“ lohnen? Oder sollte man lieber weniger produzieren, um den eigenen Flow am Laufen zu halten.

Denn ständig ein eigenes Team zu haben, ist dann vielleicht auch nicht der Traum vom Leben und Arbeiten als Fotograf. Manche wollen ja gerade frei und etwas ungebunden kreieren können und weniger managen.

Ein weiterer Nachteil ist vermutlich der Fakt, dass man ständig seine Sets wieder zusammen baut und wieder aufbaut. Selten etwas stehen lässt, weil es ja eben auch noch andere Mietnutzer gibt, die evtl. auch ohne Technik mieten. Dann braucht man ein gutes abschliessbares Schranksystem, um die Technik zu verstauen oder einen handlichen Equipmentwagen und am besten einen eigenen Raum für sperrige Technik und alles, was gerade keinen Platz findet.

Tipp: Egal wie gut ihr jemanden kennt, Benefizkonzerte im eigenen Studio am besten noch mit einer Live-Band und auch nur ein paar Gästen, klingen zwar toll, doch enden zumindest in unserer Nachbarschaft fast immer mit einem Einsatz von netten Beamten in Uniform.

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