Offener Elternbrief zu sicheren Schulen

In Uncategorized by Alexander Klebe

Info: Ihr könnt diesen Brief auch gern nutzen, anpassen und an Eure Ansprechpartner auf Landes- und Bundesebene schicken. Je mehr desto besser.

Berlin, den 16. Dezember 2021 und Berlin, den 9. Januar 2022

Herr Bundeskanzler Olaf Scholz,
Herr Gesundheitsminister Karl Lauterbach,
Frau Regierende Bürgermeisterin von Berlin Franziska Giffey,
Frau Bürgermeisterin Bettina Jarrasch,
Herr Bürgermeister Klaus Lederer,
Frau Senatorin Astrid-Sabine Busse,
Frau Senatorin Ulrike Gote,

Unzureichende Maßnahme zum Schutz von Schülern:innen vor Ansteckung mit SARS-CoV-2

Sehr geehrte Damen und Herren,

unser Kind besucht eine Grundschule in Berlin. Wir weisen Sie eindringlich darauf hin, dass die in der Schule bestehendem Maßnahmen nicht ausreichen, um einen Schutz vor der Ansteckung mit Corona zu gewährleisten. Zudem entsprechen die Vorgaben der aktuellen Schulhygieneverordnung nicht den Empfehlungen der WHO, des RKI sowie der einschlägigen S3 Leitlinie für Schulen. Die Empfehlungen des RKI, welche hier für die weitere Darstellung zugrunde gelegt werden, sehen die umfassende Einhaltung der infektionspräventiven Basis-Schutzmaßnahmen in Form der AHA-L Regeln vor. Die aktuelle Einstufung der meisten Berliner Schulen durch das Gesundheitsamt in der Stufe „grün“ und das Festhalten Präsenzunterricht mit Präsenzpflicht ohne Ausweichangebot kann nicht nachvollzogen werden.

  1. Kein Abstand
    Im Unterricht wird der empfohlene Mindestabstand von 1,5 Metern – möglich etwa durch Verkleinerung der Klasse – nicht eingehalten.
  2. Keine Luftfilter
    Luftfiltergeräte, die nachgewiesenermaßen die Raumluft von Viren befreien und damit effektiv vor indirekten Infektionen schützen, sind nicht aufgestellt. Diese Raumluftfilter werden besonders gegen die neue VoC „Omicron“ als bedeutend eingestuft.
  3. mangelhafte Maskenpflicht
    Es besteht zwar eine allgemeine Maskenpflicht. Diese werden jedoch z.B. zu Essenszeiten oder Experimenten nicht durchgängig getragen. Dadurch wird weder die direkte Infektion noch indirekte Infektion unterbunden. Zudem gibt es keine hinreichenden Vorgaben bezüglich der Qualität und Passform der Masken, da ungeachtet des Umstands, dass adäquate Masken in Kindergröße am Markt erhältlich sind, ist es den Kindern gestattet, auch einfache Masken zu tragen, obwohl diese nachweislich keinen hinreichenden Schutz bieten.
  4. Unzureichende Genauigkeit bei Selbsttests
    Die weitläufig verwendete Teststrategie mit Selbsttestungen kann nicht alle Infektionen erkennen oder eine geringe Infektiosität verlässlich ausschliessen. Durch den Wegfall der Testpflicht von z.B. geboosterten Lehrkräften, werden mögliche eingetragene Infektionen noch schlechter erkannt. Viele der verwendeten Tests reagieren zudem nur ungenau. | Hohe Fehlerquote bei Schnelltests
  5. Unzureichende Quarantänemassnahmen
    Auch die Regelungen zur Quarantäne sind unzureichend und entsprechen nicht den Empfehlungen des RKI. Aktuell ist zwar vorgesehen, dass das infizierte Kind in Isolation gehen muss und die unmittelbaren Sitznachbar quarantänisiert werden. Jedoch gibt es da dokumentierte Abweichungen zur Handhabung in der Praxis. Auch diese Regelung widerspricht den Empfehlungen des RKI, wonach die gesamte Kohorte mindestens in Kurzquarantäne mit der Möglichkeit zur Freitestung gehen sollte.
    NEU: Es wird keine Kontaktnachverfolgung und offizielle Kontaktpersonenquarantäneanordnung mehr vorgenommen.
  6. Unzureichende Kommunikation
    Eltern werden nur über unmittelbar im eigenen Klassenverband auftretende Infektionen informiert. Eine wöchentliche Mitteilung zum aktuellen Infektionsgeschehen an der Schule findet nicht statt. Eine Handreichung von weiterem Informationsmaterial für Eltern zu den notwendigen Massnahmen bei einem positiven Schnelltest z.B. für die weitere Gestaltung der Schulpflicht für Geschwisterkinder findet nicht statt.
    NEU: Kommunikation seitens der Schule hat sich verbessert, jedoch existieren unklare Vorgaben über die Stufenzuordnung und selbst Schulen wissen nur schwer, was auf sie zukommt und für wie lange.

Zu berücksichtigen sind zudem folgende weitere Aspekte:

Das Infektionsgeschehen unter Kindern ist aktuell bereits sehr hoch und durch die Situation in Schulen wenig überschaubar. Überdies zeigt diese Konzentration der Inzidenzwerte in der schulpflichtigen Bevölkerung im Vergleich zur Gesamtbevölkerung hohe, exponentielle Zuwachsraten über die letzten Wochen. Die Omicron-Variante, die bereits in Deutschland dominant ist, wird aufgrund der Erhöhung der Transmission, Immunevasion und Übertragbarkeit als besorgniserregend eingestuft. Unser Gesundheitsminister wirbt daher für Impfungen. Jedoch verfügen die allermeisten Eltern noch nicht über genügend Informationen zur Kinderimpfung und Kinder unter 12 Jahren hatten noch nicht ausreichend einen entsprechenden Impfschutz seit Start der Impfkampagne aufzubauen und sind daher bis zum Erreichen des kompletten Impfschutzes besonders vulnerabel.

Auch Eltern, die ihre Kinder noch nicht sofort impfen lassen wollen, sollte die Chance gegeben werden, sich ausreichend zu informieren und die Entscheidung gemeinsam mit ihrem Kinderarzt und eingehender Beratung zu den persönlichen Risikofaktoren abwägen dürfen.

Selbst wenn bis Ende Februar 70% der schulfpflichtigen Kinder (und deren Eltern) die Chance zur Erstimpfung nutzen wollen, besteht auch bis zum ersten Impfschutz 6 Wochen später ein stark erhöhtes Infektionsrisiko in der Schule, da persönliche Maßnahmen zur Kontaktreduzierung unter den derzeit gegebenen Bedingungen, wie z.B. der Präsenzpflicht, nicht entsprechend umgesetzt werden können. Daher muss diese Gruppe nun besonders geschützt werden, bis ein grundlegender Impfschutz womöglich sogar mit angepassten Impfstoffen vorhanden ist und wir schwerwiegende Komplikation bei einer Infektion sowie Folgeschäden so weit wie möglich reduzieren können. (siehe RKI FAQ | LONG COVID)

Wir stellen uns als Eltern unmissverständlich klar, dass wir nicht damit einverstanden sind, dass unser Kind in der Schule mit dem Coronavirus infiziert wird. Wir erwarten von den Verantwortlichen, dass Bildung und Gesundheit nicht miteinander abgewogen werden. Denn Gesundheit kann man nicht ersetzen und ein Bildungsangebot auf Wege zu den Empfängern bringen, die nicht zwangsläufig eine wahrscheinliche Infektion in der Bildungseinrichtung nach sich ziehen.

Uns ist klar, dass das Virus endemisch werden wird, so dass sich zwangsläufig jeder damit irgendwann infizieren wird. Wir fordern aber, dass eine Infektion der Kinder nicht billigend durch die Verantwortlichen in Kauf genommen wird und ein entsprechendes Impfangebot unterbreitet Immunität erworben werden konnte. Anderen Bevölkerungsgruppen hat man diesen Schutz bis zum Zeitpunkt der Impfmöglichkeit gewährt; wir erwarten dass man in Bezug auf Kinder unter 12 Jahren nicht anders handelt und die Präsenzpflicht bis zur Umsetzung durch eine Bildungspflicht ersetzt. Der Schutz ist durch entsprechenden landesrechtliche Vorgaben und die Umsetzung derselben durch den Schulträger in Anbetracht der Dringlichkeit der Lage kurzfristig zu gewährleisten.

COVID-19 ist eine Gefäßerkrankung, die alle Organe betreffen kann. Zwar erkranken Kinder selten initial schwer. Dennoch ist bekannt, dass das Virus, selbst bei milden oder sogar symptomfreien Verläufen, sich im Körper ausbreitet, die Blut-Hirn-Schranke durchbrechen und dann Veränderungen im Gehirn hervorrufen kann. Es verdichten sich die besorgniserregenden Anzeichen, dass eine Infektion auch bei Kindern zu gravierenden Spätfolgen führt. So kann eine Corona-Infektion zur Schädigung des Herzens, der Nieren, der Lungen ebenso zu Autoimmunerkrankungen (z.B. Diabetes Typ 1) neurologischen Erkrankungen (Demenz, Parkinson, Depression) sowie chronischer Müdigkeit (Fatigue), Herzinfarkt und Schlaganfall führen. Es ist davon auszugehen, dass ein relevanter Anteil der Kinder (nach aktuellen Schätzungen 3-7%) bei natürlicher Infektion ein Long-Covid-Syndrom (möglicherweise mit lebenslangen gesundheitlichen Beeinträchtigungen) entwickeln wird. Mit einer unvorbereiteten Durchsuchung unseres Kindes sind wir aus diesen Gründen explizit nicht einverstanden.

Wir fordern Sie eindringlich auf, den Ihnen obliegenden Bildungs- und Schutzpflichten mit geeigneten Maßnahmen wie z.B. der Kohortenbildung, dem Wechsel- oder auch dem Angebot des Distanzlernens nachzukommen. Diese Maßnahmen werden durch die RKI-Leitlinie bei mäßigen und hohen Inzidenzen eindeutig empfohlen.

Geben Sie den Eltern eine Chance ihre Kinder vor einer Infektion mit möglichen Folgeschäden schützen zu dürfen. Wir wollen Sie auch an ihre Verantwortung gegenüber der Stadt Berlin und der Zukunft unserer Familien erinnern. Ihr Nichthandeln in dieser Frage könnte auch als vorsätzlich versuchte Körperverletzung an Schutzbefohlenen durch Unterlassen gedeutet werden.

Die Stadt Berlin kann den Familien nicht garantieren, dass sich Kinder in oder auf dem Weg zur Schule nicht anstecken. Daher ist dringender Reformbedarf in der aktuellen Gestaltung des staatlichen Bildungs- und Schutzauftrages und Prüfung zur sofortigen Aussetzung oder Umgestaltung der Präsenzpflicht und damit auch Klassenstärke gegeben.

Mit dringlichen Grüßen,
Die besorgten Eltern

Weitere Links:

Corona in Schulen (SWR)

Gesundheitsminister warnt vor Durchseuchung von Kindern und Schäden durch LONG COVID

Gedächtnisstörungen bei Covid Erkranken (Aerzteblatt)

Wie mild ist der Omicron wirklich? (Tagesspiegel)

Long Covid und und Wirkung von Impfschutz (Studie zur Delta-Variante, engl.)

Berlin: Landeselternausschuss fordert Aufhebung der Präsenzpflicht

Corona Lagebericht der Stadt Berlin

S3-Leitlinie für Schulen

Welche Corona-Schnelltests sind zuverlässig