Businessfotograf Berlin

Wie Bilder wirken

In blog by Alexander Klebe

Wenn wir sagen, dass wir uns „ein Bild machen wollen“ dann heisst das eben genau das. Wir brauchen Informationen für unseren Verstand, um Sachverhalte aufzunehmen, einzuordnen und abzuspeichern. Unser Gehirn arbeitet visuell. Eine Überschrift allein gibt uns zwar Informationen, doch um die Überschrift auch langfristig im Kopf zu behalten, benötigen wir ein Bild dazu, oder mehrere.

Das wird natürlich auch entsprechend von der Werbeindustrie genutzt, um unseren Kopf zu befüllen. Ob wir wollen oder nicht, begegnen uns Werbebilder im Alltag: Der schöne Mensch auf dem Plakat für die Dating-Börse, der tolle Anzug im Katalog des Modehändlers und das Portrait vom Vorstand in der Presse oder dem Jahresbericht für Aktionäre. All diese Bilder sollen uns anregen, neue Produkte oder Dienstleistungen zu probieren, besondere Wünsche zu verfestigen und nicht zuletzt auch Vertrauen aufzubauen.

Werbung funktioniert natürlich auch durch Wiederholung. Je öfter wir eine Marke oder bestimmtes Produkt wahrnehmen, desto mehr Raum und auch Bedeutung bekommt diese Marke und ihre Botschaft für uns. Dieses Prinzip ist den meisten bekannt und wahrscheinlich haben wir uns darauf optimiert, den unzähligen Werbebotschaften erstmal wenig Aufmerksamkeit zu schenken. Doch still und heimlich arbeiten die eingepflanzten Bilder und Wünsche im Unterbewusstsein weiter.

Das große Problem ist jedoch, dass viele der Bilder, die wir in der Werbung sehen, wenig mit der Realität zu tun haben. Oft sind diese Bilder das Produkt eines professionellen Erstellungsprozesses bei dem einige Spezialisten hinter den Kulissen daran arbeiten, dass die Bilder so perfekt wie möglich erscheinen. Eine Perfektion, die es so eigentlich gar nicht gibt. Das heisst, man könnte auch abkürzen und sagen, wir bekommen Dinge gezeigt, die es womöglich so gar nicht gibt.

Werbung ist nun mal nicht unbedingt authentisch. Das beginnt natürlich bei den Modells. Obwohl die professionellen Modells schon beinahe alles dafür tun, ihr Aussehen dem gewünschten Ideal näher zu bringen, werden sie dennoch „produziert“. Das bedeutet jemand sucht die Outfits aus, ein anderer macht das Make-Up, jemand die Haare, dann kommt der Fotograf und sucht die beste Möglichkeit mit Licht und Kamera eine Momentaufnahme mit viel Stimmung zu produzieren. Die besten Bilder werden dann oft akribisch ausgesucht und nicht selten mehrere Tage lang nachbearbeitet – so lange, bis fast alles perfekt erscheint.

Die Konsequenz daraus ist, dass wir auf den Postern und Plakaten Menschen begegnen, die wir so normal auf der Strasse gar nicht unbedingt erkennen würden. Der Nebeneffekt davon ist, dass wir, wenn wir in den Spiegel schauen, eigentlich nur noch Makel sehen: zu viele Augenränder, die widerspenstigen Haare, die nicht so reine Haut und vielleicht auch die ein oder andere Falte. Wir vergleichen uns unterbewusst mit einem Ideal, dass es eigentlich gar nicht gibt.

Das ist natürlich nicht hilfreich dabei, wenn wir uns gut fühlen wollen und auch mal etwas mehr Selbstvertrauen brauchen, um vielleicht unsere eigene Person ins Rampenlicht zu stellen. Denn, wer als Berater, Coach, Künstler oder auch Dienstleister mit anderen Menschen arbeiten will, kommt früher oder später an den Punkt, wo man eigene Bilder braucht. Es kommt die Erkenntnis, das man selbst visuelle Inhalte produzieren will anstatt nur zu konsumieren. Man will ja beim Fußball auch irgendwann „mitspielen“, wenn man die Regeln halbwegs verstanden hat. Man will sich zeigen, das eigene Produkt oder die Dienstleistung in eine Webseite packen, vielleicht einen eigenen Shop starten und seinen Ideen eine Startbahn geben, um wahrgenommen zu werden.

Alles braucht seine Zeit. Auch eine gute Bildproduktion beginnt am Besten mit einem Briefing für den Fotografen, wo man die Ideen – am besten schon in Bildform – teilt und den Fotografen ein wenig inspiriert, was man in etwas machen möchte. Das ist natürlich eine schwierige neue Rolle für manche, sich auf einmal selbst als „Modell“ für die eigene Marke zu sehen und zu produzieren – aber das gehört eben auch dazu.

Beim Shooting selbst kommt es natürlich auf die gute Stimmung an. Obwohl manche auch mit depressiv wirkenden Bildern ihr Image bauen (da denke ich an so manche Politiker) – klappen die Bilder mit positiven Botschaften meist besser.

Für mich als Porträtgotograf sind es vor allem die leuchtenden Augen, die dynamische Schulterhaltung, der fokussierte Ausdruck und auch eine authentische Bearbeitung, die ein gutes Bild ausmachen. Doch bis man zum finalen Bild kommt, läuft meist auch ein Auswahlprozess der gemachten Aufnahmen, der uns einiges abverlangt, denn auf einmal müssen wir uns selbst begutachten und überlegen, ob uns dieses Porträt auch so zeigt, wie wir es für angemessen halten. Dabei ist es oft wichtiger, ein wenig mehr Klarheit und auch Kante auszudrücken, als nur Anpassungsfähigkeit und Konformität mit den gängigen Maßstäben.

Das passiert indirekt auch über die gewählte Kleidung. Bei den Businessporträts kommen immer weniger Klienten mit Schlips und Anzug. Denn die neue Lässigkeit, also auch T-Shirts, hat sich in den letzten zwei Jahren anscheinend gut bewährt. So kannte man sich eh schon aus den Videokonferenzen – nun soll das passende Porträt dazu entstehen – welches dann auch an 7 Tagen in der Woche rund um die Uhr und auf allen Sprachen für uns kommuniziert.

In diesem Sinne: Zeigen Sie sich. Keine Angst vor Falten, Augenringen oder ein paar kleinen Pickeln im Gesicht. Dafür gibt es gute Visagistinnen. Vieles kann auch man retuschieren, muss man aber nicht. Ja, wir wollen in Qualität investieren, aber es soll auch authentisch sein. Es ist am Ende ein schmaler Grat, aber der Weg führt an ein gemeinsames Ziel: Die eigenen Ideen verwirklichen.